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Wer+Wie+Wo

So arbeite ich …

Zentrales Thema meiner Arbeit ist der Mensch, in der Realität, in seinen Rollen und in der Wirklichkeit einer Parallelwelt. Mich reizen die Vielfalt an Stilrichtungen, von naturalistisch bis karikierend und die Ausdrucksmöglichkeiten von Materialien und Formen.

Gleichwohl hat sich das Papier in den letzten 16 Jahren als Konstante meiner Arbeiten erwiesen, da es in einer Vielfalt zu finden ist, wie kaum ein anderes Material. Die Kontraste könnten nicht größer sein als zwischen Abfallpapieren wie gebrauchten Kaffeefiltern, Wellpappe, Telefonbüchern, geschredderten DM-Geldscheinen und kostbaren Naturpapieren aus Asien und Afrika. Die Wahl und Kombination der Papiere und Materialien richtet sich nach der Aussage der Plastik, des Objekts oder Bildes und ist wesentlicher Bedeutungsträger.

Meinen Plastiken, Objekten und Bildern liegen oft Geschichten, immer aber für mich interessante Themen zu Grunde.

Ich bin Autodidaktin und gestaltete mir meine individuelle Ausbildung nach den Herausforderungen die sich mir stellten oder die ich suchte. So ging ich in die Lehre bei Bildhauern, Malern, Grafikern um Techniken und Materialien kennen zu lernen. In Seminaren bei Tänzern und Pantomime erweiterte ich mein Wissen um Anatomie, Bewegungsablauf, Körpersprache und mimischen Ausdruck.

Ausstellungen

(wichtigste Einzel- und Gruppenausstellungen)

  • Bildungszentrum der Arbeitskammer des Saarlandes, Kirkel
  • Vertretung des Saarlandes in Berlin
  • Bipontina, wissenschaftliche Bibliothek, Zweibrücken
  • Handwerkskammer des Saarlandes
  • «Doll Artists International», Frankfurt
  • Wachtanoff Gallery, House of artists, Moskau
  • «A Gathering of Excellence», New York
  • INFA, Hannover
  • Museum der Deutschen Spielzeugindustrie, Neustadt/Coburg
  • Hessisches Puppenmuseum, Hanau
  • Schloss Farrach, Farrach/Österreich
  • Orangerie Blieskastel
  • Schloss Filseck, Uhlingen/Göppingen

Wichtigste Auszeichnungen

  • 1998 Max-Oskar-Arnold Kunstpreis, Neustadt/Coburg
  • 2001 Prize for innovation, Wachtanoff Gallery Moskau/House of artists
  • 2001 Max-Oskar-Arnold Kunstpreis, Neustadt/Coburg

Pressetexte

Ausstellung „Zerrissene Schriften“ Bildungszentrum der Arbeitskammer, Kirkel

Zerrissene Schriften – Bildkörper, Collagen, Schriften
Bildungszentrum der Arbeitskammer des Saarlandes, 19.1.bis 31.3.2017

Einführung: Dr. Monika Maier-Speicher, Kunsthistorikerin

…. Man sollte beinahe glauben, dass es ihr auf den Inhalt der Bücher überhaupt nicht ankommt, dass ihr Interesse vielmehr auf deren Dicke und ihrem ästhetischen Äußeren liegt. Weit gefehlt: Christel Hartz transformiert den Inhalt. Er gerinnt unter ihren formenden Händen zu Figuren und Gestalten, als seien sie dem gedruckten Text entsprungen. Die Wirklichkeit ersteht beim Aufschlagen des Buches. Extra für die Eröffnung hat die Künstlerin zwei dieser visualisierten Buchinhalte für Sie arrangiert. Hier treffen Sie zum Beispiel bei dem Objekt „Schierligsbecher“ auf ein griechisches Grammatikbuch. Der Titel verweist Sokrates, der sein Todesurteil in Form des Schierlingsbechers entgegen nahm. „Die Reise nach Samarkand“ war in ihrem früheren Leben ein Reiseführer der UdSSR.

Um die Figuren in diesen Buchobjekten zu gestalten, musste Christel Hartz vieles weg- und ausschneiden. Aus diesen Fragmenten entstehen nun Figuren, die sich wiederum mit Büchern beschäftigen – lesend, träumend, aufräumend, ratlos nach Platz suchend – Sie kennen das ja. In den kleinen Objektkästen „Hinter dem Vorhang“ entdecken wir einen Menschen, der sich offensichtlich ganz dem Lesen hingibt. Er ist völlig gefangen und eingetaucht in eine andere Realität. Er hat sich hineinverstiegen. Sinnbildlich dafür steht die Leiter. Der „Bücherwurm“ bei Christel Hartz ist dünn wie die Buchstaben in den Büchern, die er unterm Arm trägt. Er befindet sich in einer nach hinten durch einen Vorhang abgeschlossenen Stube. Kräftige Farben, die das Auge verführen, gibt es hier nicht. Der Leser soll ganz bei sich bleiben, nichts soll seine Träumerei stören. Einzig die kleinen Bücher haben eine lokale Farbigkeit und sind damit in die Wirklichkeit gerückt.

Die Polarisation zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit ist in Christel Hartz’ künstlerischem Schaffen unwichtig. Sie wählt die Formensprache je nach Anliegen und inhaltlicher Intention. Geht es in den Objektkästen „Hinter dem Vorhang“ primär noch darum, was Bücher mit einem machen, so sind die Wandbehänge ganz reduziert auf die Ver- und Aufwertung der bei der eingangs dargestellten Bucharbeit. In einer einfachen Leinenbindung verweben sich die schmalen Papierstreifen aus Sudokuheften und Grammatikbüchern zu einer flächenhaften Struktur. Die Formen von zerschnittenen Schnittmusterbögen und eigenen Zeichnungen fassen die fragmentierten Buchseiten optisch in einem neu gefundenen Konzept wieder zusammen. Kräftige Farbakzente setzt die Künstlerin durch die eingewebten Tonpapiere und wenn sie es kompositorisch für notwendig erachtet, verbindet sie diese in einer lichten Farbigkeit mit den vergilbten Streifen der Umgebung, wiederholt eine farbige Fläche oder verstärkt manche Akzente durch feine Linien.

In den Reliefs „Moderne Hieroglyphen“ erweitert Christel Hartz das Basismaterial um Teebeutel, Wellpappe und anderes Verpackungsmaterial. Die Leinwand bleibt als Umrandung stehen und hat die Funktion der Kartusche, wie wir sie von alten ägyptischen Pharaonennamen kennen. Schmale Wellenlinien und senkrechte Streifen bilden zu den rechteckigen größeren flächigen Erhebungen einen formalen Kontrast. Sie setzen den Rhythmus, ergänzt durch größere und kleinere runde Formen. Rätselhaft muss die Bedeutung der so entstandenen Hieroglyphen bleiben: Steht die Wellenlinie für Wasser, symbolisieren die rechteckigen Formen die dazu gehörenden Becken? Was bedeutet in diesem Zusammenhang das Runde? Uns fehlt das Vokabular. Durch die farbige Fassung in Blau-, Ocker-, Rot- und Weiß-Tönen erhält der Bildkörper eine opalisierende Patina, die lange vergrabenem Glas ähnlich ist.

Papier ist einem Alterungsprozess unterworfen: Es vergilbt durch Licht und Wärme. Beide Faktoren macht sich Christel Hartz zu Eigen und baut sie in ihre Kompositionen ein zum Beispiel in den Wandbehängen und in den Collagen. In letzteren greift sie zu drastischeren Methoden des Alterns: zum Anbrennen. Die Kunstfertigkeit dabei ist, den Prozess rechtzeitig zu stoppen, bevor es zu spät ist. Was bleibt, sind die graphisch anmutenden Ränder der Papierfragmente. Sie geben den Collagen der „Nestflügler“ ihr architektonisches Gerüst, das Kindern als Kulisse dient, in welcher sie herumklettern können, die sie erkunden und mit kindlicher Neugierde erforschen. Sie machen die Collage erst zu einer Umgebung, in welcher sich ein Mensch bewegen kann. Denken Sie sich die Kinder weg und von der steilen Felswand, aus den dicken Gesteinsbrocken im Vordergrund, der dunklen Höhle und dem Fenster, durch das ein Kind klettert, bleibt lediglich ein Flächenwerk ohne Räumlichkeit übrig. Dadurch, dass Christel Hartz die Kinder geschickt in die Collage einfügt, erfährt diese eine Metamorphose zur Dreidimensionalität und damit zur Realität. Das verbindet diese Serie mit den Buchobjekten, aus welchen die Papiere stammen. Wiederkehrende bunte Zauberwürfel begleiten die Kinder beim spielerischen Erforschen ihrer Umgebung und zaubern leuchtende Farbe in die Bilder.

Typisch für die Arbeiten von Christel Hartz ist ihr spielerischer und souveräner Umgang mit dem Material Papier und die Liebe zu Büchern. Sie zeugen von einem großen Erfahrungsschatz und einem wachen Interesse nicht nur am Material, sondern auch am Inhalt, den sie immer wieder im Stofflichen materialisiert. Dazu gehört ganz eindeutig die menschliche Figur, der Mensch, der diese „Kunstwelt“ erschafft und erobert.

Ausstellung «Kunst – Bücher – Buchkunst» – vielgestaltliche Objekte, BIPONTINA - wissenschaftliche Bibliothek, Zweibrücken

Das neue Leben der Bücher. Christel Hartz verblüfft und amüsiert mit ihrer Buch-Objektkunst. Wer in der aktuellen Ankündigung der Ausstellung in der Bipontina den Begriff „Buchkunst“ liest, stellt sich unwillkürlich Illustrationen in gebunden Druckwerken vor. Steht er dann vor den Arbeiten von Christel Hartz, wird er zunächst verblüfft sein. Denn die Künstlerin hat Buchkunst sehr wörtlich genommen.

Gleich im Eingangsbereich stößt man auf große Collagen, deren genaue Betrachtung lohnt. Das Werk „Leserliches im Rahmen gehalten“ setzt sich aus vielen Elementen zusammen, die C.H. bei ihrer Arbeit übrig behalten hat: Papierschnipsel, Textfragmente, kleine Kügelchen oder Teile von Einbänden fügen sich zu einer spannenden Komposition.

Ähnlich agiert sie in dem Werk „Opus III“, in dem Papierstreifen verflochten sind. Eine abenteuerliche Mischung aus alten und neuen Schriften, Cartoons von Loriot und Wilhelm Busch, modernen Werbetexten und Schnittmusterbogen. Was soll man davon halten? Vielleicht fragt man die beiden Zeitungskritiker, die C.H. aus ihren gedruckten Meinungsäußerungen geformt hat. „Ansichtssache“ ist der Titel des Duos, das den Betrachter erstmals schmunzeln lässt.

Wer den Weg weiter in den Bibliotheksraum geht, bleibt sicherlich in heiterer Stimmung. Denn die Künstlerin hat sich hier mit viel Humor an die Arbeit gemacht und ebenso witzige wie tiefgründige Kunstwerke geschaffen. Grundlage hierfür sind jeweils echte Bücher. Die werden beschnitten, eingefärbt, es werden filigrane Elemente eingefügt oder Malereien auf den Seiten angebracht.

Jedes dieser Bücher bearbeitet ein bestimmtes Thema, das Hartz mit Ironie und hintergründigem Witz überzeugend realisiert. Daneben gibt es Papierskulpturen von Dichtern und deren literarischen Figuren und einige Reliefs aus unterschiedlichen Materialien. Vom Inhalt ganz abgesehen beeindruckt die handwerkliche Ausführung und die große Liebe selbst zum kleinsten Detail.

Inhaltlich fesseln die Objekte auf jeden Fall. Sie stehen inmitten des ehrwürdigen Bestands der Zweibrücker Landesbibliothek und bilden einerseits einen deutlichen Kontrast dazu, andererseits harmoniert die Thematik der Arbeiten durchaus mit der sie umgebenden Literatur. Da findet man die Figur von Friedrich Schiller oder dessen Schriftstellerkollege Adalbert Stifter. Ein russischer Reiseführer informiert über „Samarkand“, diverse Reclam-Klassiker werden zusammengefasst, ein Liebesroman wird zur „Rostlaube“.

Daß Bücher tiefschürfend sein können, beweist Christel Hartz, indem sie im wahrsten Sinn des Wortes tiefe Höhlen  in die Seiten eines Buches gräbt. Keines beliebigen Buches, es ist ein psychologischer Ratgeber, der den Weg ins Unbewußte zeigt. Selbst „Zwischen den Zeilen“ zu lesen wird ermöglicht. Unzählige ausgeschnittene Textzeilen wurden in einem Rahmen angeordnet. Doch nicht mit ihrer Fläche nebeneinander, sondern vertikal wie die Seiten eines Buches. So kann man tatsächlich einen Blick zwischen die Zeilen werfen. Letztendlich wird der Schriftsteller zum Magier, der seine literarischen Ergüsse aus einem Zauberhut zieht, wie eine putzige Figur beweist.

Es scheint fast, als würde Christel Hartz den sonst leblosen Büchern echtes Leben einhauchen. Der Prozess, der normalerweise erst bei der Lektüre im Kopf des Lesers beginnt, wird in den Kunstobjekten unmittelbar. Gleichzeitig ist diese Bildhaftigkeit  bereits eine sehr subjektive Interpretation, die versucht, den Betrachter auf die Denkweise der Künstlerin einzustimmen. Ein Vorhaben, das durch und durch gelungen ist.

Stefan Folz
„Die Rheinpfalz“ vom 20. Oktober 2014

Ausstellung «Schräge Vögel» Handwerkskammer des Saarlandes, Saarbrücken

Klein und eher unspektakulär kommen die Papierplastiken von Christel Hartz einher. Doch bei näherem Betrachten offenbaren sie so viel hintergründigen Humor, dass man sich an ihnen ungemein erfreuen kann.

Da gibt es etwa die «Insitutionisten»: eine farblose, blasierte Dreiergruppe von schnieken Herren. Deren zu kleinen Melonen scheinen geradezu das Hirn zu verlängern und aus den Schädeln Eierköpfe zu machen; der Melonenrand erinnert an einen Heiligenschein und lässt die Herren als die Besserwisser erscheinen, die in so manchen Ämtern anzutreffen sind. Dass dann noch die Hände fehlen, ist ebenfalls ein wohl durchdachtes Detail, das die Drei als untätige Symbolfiguren entlarvt.

«Schräge Vögel» überschreibt Christel Hartz ihre Ausstellung in der Handwerkskammer. Neben humorvoll verunglimpften menschlichen Wesen sind auch Vögel unterschiedlicher Art zu sehen. Etwa der farbenfroh karierte Hahn «Hugo der Verruchte», der die elegant Ente «Marylin» mit gierigem Blick anvisiert. Oder kleine schwarze Vogelwesen mit langen, orangefarbenen Schnäbeln, als «Piep-Show» in den verschiedenen Abflugstadien.

Sie alle tragen menschliche Züge und werfen jenseits ihres witzigen Hintergrunds Gestaltungsfragen auf. Fein und filigran sind sie ausgearbeitet, mit Köpfen, die an feines Porzellan erinnern. Doch sind alle Plastiken aus dem gleichen Material geformt, den unterschiedlichsten Papierarten, von der groben Wellpappe über Papiermaché bis zum handgeschöpftem Papier.

Dr. Brigitte Quack
Saarbrücker Zeitung vom 7. Februar 2012

Künstlerportrait

Sie hat stets den Menschen im Visier, versucht seine Haltung, Gestik, Körpersprache zu erkunden. Ihre «Plaudertaschen», rundliche Frauenfiguren, sind aus Telefonbuchpapier gestaltet, denn schließlich hängt das ausgewählte Papier von dem zu gestaltenden Thema ab. Die «Ordnungshüter» hat sie ganz passend aus den Seiten des DGB geformt, und ihre „Institutionisten“ kommen in grauer Wellpappe einher, die ebenso schwer beweglich ist wie die drei grauen Herren.

Die Figurenunikate erzählen von menschlichen Eigentümlichkeiten als «Schräge Vögel». Mitunter finden sich auch wirkliche Vögel unter ihren plastischen Werken, sowie poetische Mischwesen wie die «Seidenschwanztänzer» und die «Bürtzelchen». Auch hier sind die Gesichter sehr ausdrucksstark, Körperhaltung und Gesten genau kalkuliert und die Outfits bis ins kleinste Detail durchdacht. Und alle kommen sie in einer großen spielerischen Leichtigkeit einher…

Dr. Brigitte Quack
Saarbrücker Zeitung vom 1. März 2012

Ausstellung «Eigenartiges», Kleine Galerie auf dem Hügel, Mandelbachtal

Klein sind die Unkate von Christel Hartz. Klein sind auch die Gesichter, doch sie sprechen Bände. Das ist schon erstaunlich, wie es ihr gelingt, so viel Ausdruck hier unterzubringen. «Das Gerücht» ist eine Gruppe aus Pfarrer, Nonne und drei Weiber, hergestellt aus gerissenem Papier und Modelliermasse. Hier bricht sich sogleich die Fantasie des Betrachters Bahn, und vor seinem inneren Auge bauen sich Szenen und Zusammenhänge auf. Man trachtet danach, die Bigotterie dieser feinen, schwarz gekleideten Gesellschaft zu entlarven.

Ähnlich ergeht es einem bei der Betrachtung anderer Figuren. Sei es nun, dass man sich den «Bürtzelchen», diesen kleinen seltsamen Wesen mit nur drei Zehen, drei Fingern, einem wundersamen Haarschmuck und sonderbaren Flügeln zuwendet. Oder das Ensemble «furiosa» mit seinen «verwesentlichten» Musikinstrumenten betrachtet, alles hat so viel Ausdruck und fordert geradezu dazu auf, sich seine eigene Geschichte zu erfinden.

Fr. Bredel
Saarbrücker Zeitung vom 2. Dezember 2000

Ausstellung «Papier-Figur-Objekt», Hessisches Puppenmuseum, Hanau-Wilhelmsbad

Die «Bürtzelchen» sind entzückend: Halb Ente, halb Mensch wenden sie ihre spitzen Gesichter einander zu. Die kleinen Figuren aus dem Reich der Phantasie sind liebevoll aus Papiermaché modelliert und von reizendem Charme. Die Papier-Objekte, die die Künstlerin Christel Hartz derzeit im Hessischen Puppenmuseum in Hanau-Wilhelmsbad präsentiert, faszinieren als gleichermaßen einfühl – wie unterhaltsame Studien der alltäglichen menschlichen Existenz.

Liebevolle Ironie prägen ihre Figuren, deren künstlerische Entwicklung mit Handpuppen und Marionetten begann. Inzwischen haben sich ihre Puppen zu ausdrucksstarken Kunstobjekten weiterentwickelt, deren besonderer Reiz im zerbrechlichen Charakter des Materials liegt. Sie modelliert mit Papier in allen Variationen, reißt und verklebt Fetzen in einem zeitaufwendigen Arbeitsprozess, rollt Wellpappe oder schichtet Zeitungspapier. Die Gesichter sind teil angedeutet, teils aus Ton mit prägnanter Mimik ausgestattet. Mit treffenden Posen stellt die Künstlerin ihre genauen Kenntnisse der Anatomie und menschlicher Befindlichkeiten unter Beweis. Sie führt lästerliches Geschwätz ebenso vor wie lächerlichen Dünkel in der Figurengruppe «Das Gerücht».

Witzig sind auch ihre Märcheninterpretationen, seien es die Bremer Stadtmusikanten in Dosen oder die Fortsetzung von Rapunzel mitschwangerem Bauch. Skurril mutet die Figurengruppe «Furiosa contra Harmonia» an, bei der Geige, Trompete und Trommel mit Händen und Füßen und in bunten Farben ein schon fast surreales Eigenleben entfalten.

Regina Seipel
Frankfurter Rundschau vom 28. Februar 2001

Ausstellung «Papier-Figur-Objekt», Hessisches Puppenmuseum, Hanau-Wilhelmsbad

Meist aus gerissenem Japanpapier, erscheinen sie gleichermaßen gewachsen in immer noch sichtbaren Schichten und verletzlich in ihrer nicht verheilten Oberfläche. Es gibt zauberhafte Motive wie die an frivole Schäferszenen anknüpfenden Paar-Konstellationen. Aber es gibt auch maliziöse Darstellungen in der Tradition von Honoré Daumier oder Andreas Paul Weber – die Vierergruppe «Lotteradel» oder die fünf Figuren von «Das Gerücht», in deren in Ton modellierten Gesichter menschliche Gemütszustände wie Arroganz, Griesgrämigkeit oder Schadenfreude eingekerbt sind.

Das Duo «Ansichtssache», das dem Kritiker mit der Lupe und dem Reporter mit dem Fotoapparat gewidmet ist, wurde aus vielfarbigem Zeitungspapier geformt und erinnert an Neugier und Distanz, zwei notwendige, aber nicht überall sympathisch aufgenommene Berufskrankheiten der Pressevertreter…

Jürgen Richter
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 28. Februar 2001

Ausstellung VeP, Schloss Filseck, Uhlingen

Noch abstrakter sind ein Kontrabass und eine Violine mit menschlichen Zügen, oder eine Figurengruppe in Grau zum Thema «Das Gerücht». Was unterscheidet diese Puppen noch von Skulpturen?

Stuttgarter Zeitung, 1999